Räuberbiographien

 

Ali Baba ist eine Märchenfigur aus der Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht. Obwohl sie arabisch anmutet, vermutet man, dass sie europäischen Ursprungs ist. Das Lösungswort „Sesam-öffne-Dich“, um das Felsentor zu öffnen und den Schatz der „40 Räuber“ zu rauben, wurde im deutschen Sprachraum ein geflügeltes Wort.



 



Antonio do Santos war der Kopf einer Bande, die im Jahr 2005, im brasilianischen Fortaleza, die Zentralbank ausraubte. Über drei Monate gruben sie von einem Nachbarblock, getarnt als neue Gärtnerei, einen 78 Meter langen Tunnel in vier Meter Tiefe. Sie legten die Alarmanlage still, durchbohren den ein Meter dicken Stahlbetonboden des Tresorraums und entwendeten Banknoten im Wert von ca. 56 Millionen Euro. Sie stahlen nur gebrauchte Geldscheine, deren Gesamtgewicht sich auf ca. 3,5 Tonnen belief. Insgesamt waren über 120 Personen an dem Raub beteiligt. Do Santos, der 2008 geschnappt wurde, wurde zu 50 Jahren Haft verurteilt. Ein Großteil der Beute ist weiterhin verschwunden.

 

Bonnie und Clyde war ein Gängsterpärchen, das ab 1932, als 20-jährige, den Mittleren Westen der USA unsicher machten. Sie überfielen mit anderen Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen, kleinere Banken und befreiten Mitgefangene aus einer Gefängnisfarm. Insgesamt verübten sie dabei 14 Morde, neun davon waren Polizeibeamte. Durch den Umstand, dass sie immer wieder der Polizei entwischten und das Gedicht von Bonnie „The Story of Bonnie and Clyde“ in etlichen Zeitungen veröffentlicht wurden, erhielt sie Kultstatus. Am 23. Mai 1934 wurden sie in einen Hinterhalt gelockt und von insgesamt 167 Kugeln aus Maschinengewehren durchsiebt.





Die Dalton-Brüder war eine vierköpfige Gruppe von Banditen die zu dem legendären Mythos des Wilden Westens beitrug. Sie waren in Pferdediebstähle, Schießereien, Eisenbahn- und Banküberfälle verwickelt. 1892 kamen zwei Daltons und zwei weitere Banditen bei einem Schusswechsel ums Leben, als sie zwei Banken auf einmal ausrauben wollten. Emmelt überlebte die Schießerei trotz zahlreicher Schussverletzungen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und 1907 begnadigt. Sein Bruder Bill, der während des Banküberfalls im Gefängnis saß, starb 1894 bei einer Schießerei.

 

 

Fra Diavolo, der ursprünglich ein italienischer Mönch war, schloss sich in seiner Jugend einer Bande von Straßenräubern an, deren Anführer er bald wurde. 1799 wurde er vom Kardinal begnadigt, da er die Franzosen bekämpfte. Er erhielt den Rang eines Oberst. Auch nach der erneuten Eroberung Neapels durch die Franzosen 1806 führte er auf Grund seiner Ortskenntnisse zunächst erfolgreich Kleinkrieg gegen die Franzosen und ihre Unterstützer. Schließlich wurde er im Herbst 1806 von den Franzosen gefangen genommen und in Neapel gehängt.

 

 

Die Gebrüder Sass waren zwei Berliner Einbrecher, die zur Weimarer Zeit große Popularität erlangten. Sie waren die ersten, die mit Schneidbrenner Banktresore knackten. 1929 gruben sie in wochenlanger Arbeit einen Tunnel bis zur Berliner Diskontobank. Dort öffneten sie 179 der 181 Schließfächer und erbeuteten 2 bis 2,5 Millionen Reichsmark. Aus Freude über den Erfolg köpften sie noch in der Tresorkammer zwei Flaschen Wein. Ihnen konnte dieser Einbruch nie nachgewiesen worden und sie lebten in Saus und Braus, steckten aber auch bedürftigen Menschen nach Robin-Hood-Manier Geldscheine in ihre Briefkästen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlagerten sie ihren Wohnsitz nach Dänemark. Dort würden sie 1934 wegen mehrerer Einbrüche zu vier Jahren verurteilt und 1938 nach Deutschland abgeschoben. Nach zwei Jahren Untersuchungshaft wurden sie 1940 bei der Überstellung ins KZ Sachsenhausen ermordet.

 
 

Gisela Werler, 1934 in Altona geboren und 2003 in Hamburg gestorben, war die erste deutsche Bankräuberin. Mit ihrem späteren Mann überfiel sie von 1965 bis 1967 insgesamt 19 Banken in Norddeutschland und erbeutete dabei 453.000 DM. Durch ihre Sonnenbrille und blonde Perücke wurde sie als Banklady bekannt. Sie galt als sehr höflich, da sie bei ihren Überfällen immer „bitte“ und „danke“ sagte. 1968 wurde sie zu neun Jahre Haft verurteilt. Sie beteuerte vor Gericht, nicht aus Geldgier, sondern nur aus Liebe zu ihrem Partner gehandelt zu haben. Sie war ihr Leben lang eine genügsame Frau, gönnte sich nie übermäßig Luxus und starb 2003 in Hamburg.



Die Hölzerlips-Bande agierte im Dreiländereck Baden, Hessen und Württemberg. Bis 1811 gingen mindestens 15 Straßenraube, sowie 21 Einbrüche auf ihr Konto. Nach einem Postkutschenüberfall, bei dem ein Schweizer Kaufmann ums Leben kommt, wurde Hölzerlips mit seinen drei Kumpanen gefangengenommen. 1812 werden alle vier auf dem Heidelberger Marktplatz öffentlich für schuldig gesprochen und danach hingerichtet.

 

 

 

Jacques René Mesrine wurde 1936 geboren. Anfangs war er in der Gastronomiebranche tätig, wobei seine Lokalitäten sich immer schnell zu „Räuberhöhlen“ verwandelten. Aufgrund der Morde und seiner Gewalttätigkeit war er bis zu seinem Tod in Frankreich Staatsfeind Nummer 1. In der Öffentlichkeit war er aufgrund seiner Fähigkeit, mittels Verkleidung sich der Verhaftung zu entziehen, auch als Mann mit den tausend Masken bekannt. Er wurde in den Medien als moderner Robin Hood stilisiert. Auf sein Konto gingen zwischen 1961 und 1979 Überfälle, Erpressungen, Entführungen, Geiselnahmen und zahlreiche Morde. Er agierte in Frankreich, Großbritannien, USA, Venezuela, Algerien, Kanada, Sizilien und Belgien. Ihm gelangen zwei Fluchtversuche aus dem Gefängnis, zeitnah nachdem er zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurde. Ebenso eine Flucht während einer Gerichtsverhandlung durch Kidnapping. 1979 entführte Mesrine den Millionär Henri Lelièvre und erpresste sechs Millionen französische Francs. Ihm war wichtig gut in den Medien dargestellt zu werden. Einen Journalisten, der negativ über ihn schrieb wollte er daraufhin ermorden. Am 2. November 1979 stoppte die Polizei seinen Wagen und erschoss ihn ohne Vorwarnung mit 19 Kugeln direkt durch die Windschutzscheibe.

 

Hannikel, Jakob Reinhard, geboren 1742 in Darmstadt machte mit seiner bis zu 35 Mann großen Räuberbande vor allem Baden und Württemberg unsicher. Die großen Waldgebiete dienten ihm als Rückzugsgebiet. In der Regel überfiel er wohlhabende Juden und evangelische Pfarrer, zum Teil recht gewalttätig. Er genoss in der Bevölkerung heimliche Sympathie, weil er oft mit Bauernschläue seinen Häschern entkam. Nach der grausamen Ermordung eines herzoglich-württembergischen Grenadiers im Jahr 1786 gelingt ihm und seiner Bande noch die Flucht in die Schweiz. Dort wird er gefasst und nach einem geglückten Ausbruch erneut eingelocht. Nach seiner Auslieferung nach Sulz am Neckar wird Hannikel am 17. Juli 1787 mit drei weiteren Bandenmitgliedern gehängt.

 

Jesse James war ein amerikanischer Bandit und das bekannteste Mitglied der James-Younger-Bande. Nach seinem Tod wurde Jesse James eine legendäre Figur des Wilden Westens. Sogar der spätere Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete ihn als „Amerikas Robin Hood“. Diese Aussage verwundert angesichts der vielen Morde, Bank- und Zugüberfälle die seinen langen Weg pflasterten. Geboren 1847 in Missouri, begann er seine Banditenkarriere bereits mit 16 Jahren. Beinahe alle auf die Bande angesetzten Detektive wurden von ihnen umgebracht. Ein Detektiv überfiel mit gleichgesinnten das Familienanwesen und zündete eine Bombe. Jesses Halbbruder starb und seine Mutter verlor einen Arm. Dieser blutige Überfall machte Jesse James endgültig zur Sympathiefigur in der Öffentlichkeit. Mit Zustimmung des Parlaments bot man ihm sogar Amnestie an, die er aber dankend ablehnte. Stattdessen machte er sich aus dem Staub, um danach wieder ohne Unterbrechung an sein Räuberleben anzuknüpfen. Nach zahlreichen Rückschlägen flieht er erneut nach Missouri. Dort wird er 1882 von zwei seinen engsten Bandenmitglieder aus dem Hinterhalt erschossen. Sie erhalten dafür ein stattliches Kopfgeld.

 

Mathias Kneißl, 1875 in Bayern geboren, ging ab 1892 mit seinem Bruder auf Raubzüge. 1893 wurden beide erwischt und Mathias ging für beinahe sechs Jahre Ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung geht er mit Komplizen weiterhin auf Einbruchtour. Nachdem seine Komplizen gefasst worden sind, setzte er schwer bewaffnet alleine seine Raubzüge fort. Bei seiner Festnahme wurde das Bauernhaus, in dem er sich verschanzte, von 60 Polizisten beschossen. Dabei wurde er schwer getroffen. Am Augsburger Schwurgericht wurde er wegen zweier Mordtaten, versuchten Totschlags sowie wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung zum Tode verurteilt. Am 21. Februar 1902 wurde er mit der Guillotine hingerichtet. Sein bekanntestes Zitat lautet “De Woch fangt scho guat o“. Kneißl galt schon zu Lebzeiten als Volksheld. Das Volk, vor allem die Kleinbauern sahen in seinem räuberischen Leben etwas Revolutionäres, ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit.

 

Rinaldo Rinaldini ist eine literarische Figur aus Christian August Vulpius Roman Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann, der 1798 in Leipzig in drei Bänden erschien und bis in die Gegenwart zahlreiche Neuauflagen erlebte. Er gilt als der erfolgreichste deutsche Räuberroman des 19. Jahrhunderts.

 

 

 

 

Robin Hood ist der Held mehrerer spätmittelalterlicher bis frühneuzeitlicher englischer Balladenzyklen. Im Lauf der Zeit wird er immer positiver dargestellt. Die Dichtung macht ihn zum enteigneten angelsächsischen Adeligen und zum gegen die Normannen kämpfenden angelsächsischen Patrioten. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wandelt sich die Figur auch zum Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Die Existenz Robin Hoods als reale historische Figur ist nicht belegt.

 

 

 

Ronald Biggs wurde nach dem legendären Postzugraub 1964 in England zu 30 Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit einer 15-köpfigen Bande hatte er 120 Geldsäcke mit umgerechnet ca. 46 Millionen Euro erbeutet. 1965 gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis mit einer Strickleiter. Zuerst floh er nach Paris, ließ dort sein Gesicht verändern, um weiter nach Australien zu ziehen. Ab 1974 lebte er in Brasilien. Brasilien hatte keinen Auslieferungsabkommen mit England. Dort nahm er unteranderem mit den Sex Pistols und den Toten Hosen Songs auf. Allerdings verarmte er total, da er keine Arbeitsgenehmigung bekam. Müde und krank kehrte er 2001 freiwillig nach England zurück, um die restlichen 28 Jahre Haft abzusitzen. 2009, zwei Tage vor seinem 80. Geburtstage wurde Biggs aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes begnadigt und aus der Haft entlassen. Seither erfreute er sich wieder bester Gesundheit und verstarb 2013.
 

 

Sándor Rózsa war ein ungarischer Bandit. Sein Leben wurde von mehreren Schriftstellern literarisch verklärt, so dass er heute als eine Heldenfigur wahrgenommen wird, vergleichbar dem englischen Robin Hood. Als 23-Jähriger (1836) erhielt er seine erste Gefängnisstrafe. Nachdem er dort ausgebrochen war, führte er das Leben eines Räuberhauptmanns und wurde durch zahlreiche Gewalttaten berühmt und gefürchtet. Im Oktober 1848 schloss er sich mit seiner 150-köpfigen Bande der ungarischen Revolution an. Nach der Niederschlagung der Revolution war Rózsa zur Flucht gezwungen und nahm sein früheres Leben als Räuber wieder auf. Erst 1857 wurde er durch Verrat gefangengenommen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und verbrachte neun Jahre in den Gefängnissen, bis er anlässlich einer Generalamnestie frei kam. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, raubte er Postkutschen und Eisenbahnen aus. 1869 wurde er abermals verhaftet und wiederum zu lebenslänglich verurteilt. Er starb im Gefängnis.

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